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TGHessen-PM: Perspektiven für die Flüchtlinge und die Gesellschaft

Presserklärung Frankfurt, den 01.10.2015

Auch wenn es eine große Herausforderung für Bund, Länder und Kommunen bedeutet, ist die
Türkische Gemeinde Hessen ebenso wie ihr Dachverband, die Türkische Gemeinde Deutschland, der
Auffassung, die Flüchtlinge – in welcher Zahl sie auch kommen mögen – ohne Wenn und Aber
aufzunehmen und ihnen nicht nur menschenwürdige Zustände, d.h. erst einmal ein Dach über dem
Kopf, sondern auch langfristig eine Perspektive zu bieten.(1) Das heißt auch, dass das Asylrecht
eingehalten werden muss. Die TG-Hessen ist der Meinung, dass die große Zahl von Flüchtlingen nicht
als Problem, sondern als Chance wahrgenommen werden sollte – als Chance für eine offene
Gesellschaft, in der Integration gelebt wird.

In den letzten Wochen wurden deutliche Zeichen gegen die rassistischen Übergriffe der
rechtsextremen Gruppen auf Flüchtlingsunterkünfte gesetzt – die neue Willkommenskultur beweist
das. Viele sozial engagierte Menschen, Freiwillige und Ehrenamtliche, sind gekommen, um die
Flüchtlinge an den Bahnhöfen zu begrüßen und ihnen Sachspenden zu überreichen. Das ist ein
erfreulicher Anfang, aber nun gilt es, den Alltag zu bewältigen. Die Politik im Bund, in den Ländern und
den Kommunen ist gefordert, Konzepte zu entwickeln, die weit über die Unterbringung in
Erstaufnahmeeinrichtungen hinausgehen. Es geht nicht allein darum, die große Zahl der Flüchtlinge zu
verwalten, sondern ihnen müssen Perspektiven geboten werden, wie sie ihr Leben hier gestalten
können.

Die Türkische Gemeinde Hessen ist nicht nur bereit, an solchen Konzepten mitzuwirken. Als
Vertretung von Immigrantinnen und Immigranten in Hessen sieht sie sich hier in einer besonderen
Verantwortung. Sie verfügt über migrations- und integrationsspezifische Erfahrungen, Kompetenzen
und Möglichkeiten. Daher sieht sie sich verpflichtet, diese Erfahrung in diesen Prozess einzubringen.
Sollen die Fehler der Vergangenheit vermieden und die Neuankömmlinge möglichst rasch und
angemessen integriert werden, ist dieser Erfahrungshintergrund von unschätzbarer Bedeutung.
Zunächst sehen wir insbesondere die Notwendigkeiten zum Beispiel bei der Vormundschaft für Kinder
ohne Eltern und Patenschaften für Flüchtlingsfamilien.

Bürokratische Hürden sollten überwunden werden, und man sollte dafür sorgen, dass die Flüchtlinge,
den jeweiligen Qualifikationen entsprechend, hier eine Arbeit oder Ausbildung und damit auch ein
Zuhause finden. Dies setzt Qualifizierungsmaßnahmen voraus, an erster Stelle Deutschkurse für
Erwachsene und Jugendliche. Die Kinder sollten sobald wie möglich eingeschult werden.

Um dies alles in die Wege zu leiten, reichen Sachspenden nicht aus, sondern zu allererst müsste über
die Finanzierung solcher Maßnahmen gesprochen werden. Wir sehen es auch als unseren Beitrag an,
uns einzubringen, um Maßnahmen für Flüchtlinge zu ergreifen, die ihnen in jeder Weise zu Gute
kommen. Gleichzeitig sehen wir es als notwendig an, die einheimische Bevölkerung noch mehr als
bisher für die Notlage der Flüchtlinge zu sensibilisieren, um Ressentiments vorzubeugen.
Die Menschen, die gekommen sind, brauchen unsere Unterstützung, und wir sind bereit, ihnen zu
helfen, über bürokratische Hürden hinweg!

 

1 http://www.tgd.de/2015/09/10/migrantenorganisationen-und-muslimische-gemeinden-als-wichtigen-teil-bei-derlosung-der-fluchtlingsfrage-in-deutschland-einbeziehen-und-starken/