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posted by: erkayhan | 14.08.2009, 23:55 Uhr | Read 840 times
Karlsruhe, 14.08.2009

Zur Studie des nordrhein-westfälischen Integrationsministers

Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Integration hat die Stiftung "Zentrum für Türkeistudien" in Essen eine Studie zur Mediennutzung von türkischstämmigen Migranten in Deutschland zusammengestellt. Laut Studie wird das türkische Fernsehen und türkische Medien insgesamt heute häufiger genutzt als noch vor einigen Jahren.

Þeref Erkayhan
Nach früheren Studien, beispielsweise von ARD und ZDF aus 2007, nutzten ein Großteil der Migranten in Deutschland verstärkt deutsche Medien. Auch die Stiftung Zentrum für Türkeistudien (ZfT) in Essen beobachtete konstant die komplementäre Nutzung von Medien. Eine bundesweite ZfT-Befragung unter 1000 türkischen Migranten ergab damals, dass 91 Prozent neben türkisch auch deutsche Medien nutzten.

Was hat sich in den letzten 2 Jahren geändert, so dass die türkischstämmigen Zuschauer dem deutschen Fernseher fernbleiben.

Nach Seref Erkayhan, stellvertretender Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, hängt dies sehr stark von Programmangebot ab. Um genau zu ermitteln, welche Programme/Formate bestens ankomnen, seien Quotenmessungen unter den türkischstämmigen Zuschauer/Innen erforderlich. Mit der fehlenden Messung des Fernsehkonsums vernachlässigten die Rundfunkanstalten bisher ihre türkischstämmigen Zuschauer/Innen. Daraus folgt, dass es den Sender fast egal ist, was die Deutschlandtürken zu Hause anschauen.

Auf der einen Seite wird die Integration aller Einwanderer durch die Umsetzung des Nationalen Integrationplans staatlich unterstützt, auf der anderen Seite wird meist aus Kostengründen die TV-Nutzung von Deutschlandtürken im täglichen Fernsehpanel der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AFG) durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nicht erfasst. Das ist ein Paradox. Das verstehen wir nicht.

Etwa 2,7 Millionen türkischstämmige Menschen leben in der Bundesrepublik Deutschland und bezahlen jährlich über 100 Mil. EUR GEZ-Gebühren. Die gesellschaftliche Einbeziehung dieser Bevölkerungsgruppe in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist ein gesellschaftspolitischer Auftrag. Dieser Auftrag wird von der TV-Forschung einfach ignoriert, in dem ihre TV-Gewohnheiten nicht erforscht werden.

Damit dem deutschen Fernseher langfristig die türkischstämmigen Zuschauer nicht ausgehen, muss das Fernsehverhalten dieser Bevölkerungsgruppe von der GfK-Fernsehforschung auch erfasst werden. Dementsprechend können dann die medialen Angebote erarbeitet werden.

Zur Gewinnung von repräsentativen Ergebnissen soll auf eine breit angelegte Fernsehforschung Wert gelegt werden. So sollen die abgefragten Personen aus verschiedenen sozialen Schichten stammen. Auch Alter bzw. Generation der teilnehmenden Personen spielt eine wichtige Rolle. Denn es ist bekannt, dass die ältere Generation eher türkische Medien konsumiert, da die Bindung zu Ihrem Herkunftsland stärker ist. Dank der technischen Entwicklungen kann man heutzutage fast alle Sender aus der Türkei zeitgleich empfangen. Die Jüngeren nutzen sowohl die deutschen als auch die türkischen Medien. Das liegt nicht zuletzt an den besseren deutschen Sprachkenntnissen. In einer Studie des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung von 2001 hieß es, dass nur noch 17 Prozent der Befragten türkischer Herkunft ausschließlich türkischsprachige Medien nutzen. Und es werden immer weniger, weil diese Zahl vor allem die erste Generation betraf. Gerade das ist die Normalität. Denn wer beide Sprachen beherrscht und sich in beiden Kulturen heimisch fühlt, der nutzt auch beide Medienangebote, eben deutsche und türkische Medien.

Schließlich ist es wichtig, dass den deutschen Medien die gesellschaftliche Vielfalt und ihre wirtschaftliche, soziale, kulturelle und letztlich die mediale Bedeutung Bewusst wird. Dementsprechend sollen die Interkulturalität und die gesellschaftliche Vielfalt in den Massenprogrammen der Medien zur selbstverständlichen Normalität werden. Auf dieser Basis können dann qualitative Programme angeboten werden. Dabei soll das Medienangebot nicht nur auf die Informations- und Unterhaltungsinteressen türkischstämmiger Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zugeschnitten sein, sondern sich mit den gleichen Medienangeboten an die Mehrheitsgesellschaft richten, damit ein Austausch durch Medien stattfindet.

Als ein Beitrag zu diesem Thema empfiehlt Erkayhan das medienpolitische Thesenpapier der Türkischen Gemeinde in Deutschland, in dem zahlreiche Vorschläge gemacht werden.

Presseclips:

Quoten: Warum Türken fürs TV nicht zählen, STERN.DE - ‎20.08.2009‎

Deutsch-Türken schauen lieber türkisches als deutsches TV, OÖNachrichten - ‎17.08.2009‎
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