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posted by: erkayhan | 05.11.2009, 22:38 Uhr | Read 999 times
Karlsruhe, 5.11.2009

In einem Brief hat die Türkische Gemeinde in Deutschland, WDR Intendantin Monika Piel, WDR Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz und Funkhaus Europa Programmchef Thomas Reinke um Klärung der Planungen bzgl. der Veränderung der Programmstruktur von Funkhaus Europa gebeten.
Seref Erkayhan
Foto: Seref Erkayhan

„Wir haben über die Presse von den Überlegungen zur Veränderung der Programmstruktur von Funkhaus Europa erfahren“, heißt es in dem von Seref Erkayhan, stellvertr. Bundesvorsitzende der TGD, verfassten Brief an WDR. Erkayhanweiter:

„Bislang hat Funkhaus Europa folgende Sendungen in Türkisch in seinem Programm:

Mo – Fr: 06:05-07:00 (Köln Radyosu- Morgen Sendung) “ 55 Min.”
Mo – Fr: 19:30-20:00 (Köln Radyosu- Abend Sendung) “30 Min.”
So: 19:30-20:00 (Köln Radyosu- Abend Sendung) “30 Min.”
So: 15:05-17:00 (ÇILGIN Jugend Sendung) “110 Min.”
So: 17:05-18:00 (Café Alaturka) “55 Min.”

Nach der neuen Programmstruktur sollen die Morgen-Sendungen und die Sendungen an Sonntagen zwischen 19:30-20:00 Uhr ausfallen. Die Sendung Café Alaturka soll komplett aus dem Programm genommen werden. Insgesamt soll die Sendezeit von 7,35 Stunden auf 5 Stunden in der Woche reduziert werden. Nach der veränderten Struktur würde das Programmangebot des Funkhaus Europa so aussehen:

Mo – Fr: 19:00-20:00 (Köln Radyosu-Abend Sendung) “1 Stunde”
So: 15:05-17:00 (ÇILGIN Jugend Sendung) “110 Min” (deutsch)

Mit einer 45 jährigen Vergangenheit ist die Sendung »Köln Radyosu« überhaupt die Sendung für viele Deutschlandtürken und ein wichtiger Bestandteil der türkischsprachigen Medienlandschaft in Deutschland. Gerade diese Sendung hat sich im Laufe der Jahre für Deutschlandtürken zu einer Institution entwickelt, die für die erste und zweite Einwanderergeneration fest mit der Geschichte der Arbeitsmigration und damit auch ihrer eigenen Identität verbunden ist. Große Teile der Menschen dieser beiden Generationen bezogen ihre täglichen Informationen über das Herkunftsland, über Deutschland und der Welt, über kulturelle, sportliche, soziale und politische Ereignisse in ihrer Nähe durch diese traditionsreiche und gut gemachte Sendung, die durchaus das Attribut »identitätsbildend« für sich in Anspruch nehmen darf. Obwohl durch die technischen Entwicklungen (SAT, Kabel, Internet) die Konkurrenz für die “Sendung aus Köln” gewaltig ist, sendet Köln Radyosu auch heute noch für eine beachtliche Hörerschar.

Die Zwänge zum Sparen sind allgegenwärtig und nehmen sicher auch die Rundfunkanstalten nicht aus. Die Sparvorgaben jedoch vor allem zu Lasten der muttersprachlichen Sendungen vorzunehmen, widerspricht dem Auftragt der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu umfassender Berichterstattung. Denn dieser schließt auch die Sendungen für die kulturellen Minderheiten in Deutschland ein. Mit großer Sorge beobachten wir jedoch den Trend, die muttersprachigen Sendungen in Rundfunk und Fernsehen nach und nach zu reduzieren bzw. wie bei Radiomultikulti vollständig aus dem Programm zu nehmen.

Insbesondere nach dem Radiomultikulti sein Programm aufgeben hat und vom 1. Januar 2009 an auf derselben Frequenz das multikulturelle Programm Funkhaus Europa des WDR ausgestrahlt wurde, hat man von WDR mehr Sendezeit und Programmvielfalt erwartet. Nun soll laut der Neustrukturierung genau das Gegenteil passieren. Dabei ist die Reduzierung der Sendezeit nicht nur ein Profilverlust für WDR. Sie ist auch integrationspolitisch ein falsches Signal an die Gesellschaft. Nun stellen sich für viele folgende Fragen:

- Was ist eigentlich mit der Umsetzung des Nationalen Integrationsplan (NIP) im Bereich Medien und Integration?

- Was ist mit der Selbstverpflichtung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Integration und kulturellen Vielfalt in Deutschland?

- Was ist mit den Verpflichtungen in NIP, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten immer mehr multikulturelle Sendungen in Ihrem Programmangebot anbieten?

- Und schließlich warum gerade bei Einsparungen oder knapper werdenden Ressourcen immer die Türkischen Sendungen als erstes her halten müssen.

Abgesehen davon ist es uns nicht einleuchtend, weshalb nicht eine Verkürzung von Sendezeiten auf mehrere Programmformate verteilt, die erforderlichen Einspareffekte erbringen sollten.

Wir fordern daher die angekündigte Neustrukturierung zu überdenken und stattdessen die Programmvielfalt und Sendezeit der muttersprachigen Sendungen auszubauen, wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das im Nationalen Integrationsplan versprochen haben.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland bittet außerdem Ministerin Frau Böhmer, WDR-Programmausschussmitglieder, WDR-Integrationsbeauftragte Hr. Zambonini und WDR-Rundfunksrat höfflich um ein Eingreifen in die Debatte, damit Sie Ihren Einfluss dahingehend geltend machen können, dass die Programmvielfalt und Sendezeit ausgebaut wird.“
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