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Türkische Gemeinde gründet das Netzwerk türkischstämmiger Medienmacher/Innen

Die Laut einer aktuellen Medienstudie von der in Remagen ansässigen Medienanalyse-Institut Media Tenor, werden die Menschen mit Migrationshintergrund in über einer halben Million ausgewerteten Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen immer noch als Ausländer bezeichnet – egal, ob sie nach Deutschland eingewandert oder hier geboren wurden.

Es ist dringend Notwendig, dass Medien in Deutschland ihrer integrativen Rolle bewusst werden und Menschen mit Migrationshintergrund so darstellen, was sie sind: nämlich als Teil der Gesellschaft, als eine enorme Bereicherung für unser Leben in Deutschland, so Seref Erkayhan, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Erkayhan weiter:

„Insbesondere ist das Fernsehen bei jungen Zuschauern und Zuschauerinnen mit Migrationshintergrund in Deutschland das mit Abstand am weitesten genutzte Medium für aktuelle Informationen, Unterhaltung und Kultur. Problematisch ist jedoch, dass sich genau jene Jugendlichen auf dem Bildschirm kaum wieder finden und somit das Potenzial ungenutzt bleibt, den Jugendlichen vor dem Fernseher mittels medialer Vorbilder Anknüpfungspunkte zu bieten, beispielsweise für die eigene berufliche Lebensgestaltung.

Darüber hinaus werden laut dieser Medienstudie Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien hauptsächlich in drei Rollen präsent: als Kriminelle, als Opfer von Kriminalität und als Objekt der Ausländerpolitik. So leisten die Medien keinen guten Beitrag zu einem harmonischen Leben in Deutschland, sondern tun genau das Gegenteil. Denn bekanntlich ist der Einfluss der Medien auf die Wahrnehmung, Beurteilung, Verhaltensweisen und Gewohnheiten der Menschen im Verhältnis zu anderen Instrumenten sehr groß.

Natürlich sollen auch unbequeme Fragen über Menschen mit Migrationshintergrund nicht verharmlost oder heruntergespielt werden. Dabei sollte jedoch das normale nicht ausgeblendet werden, was auch die Erfurter Studie belegt hat: “Nicht die Darstellung des Negativen ist das Problem, sondern die Ausblendung des Normalen, des Alltäglichen und des Positiven“. Dazu ein aktuelles Beispiel:

Zum Thema “Zwangsverheiratung in Deutschland” veröffentlichte kürzlich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zusammen mit dem Deutschen Institut für Menschenrechte einen Sammelband, der erstmals das vorhandene Wissen bündelte. Zu den zentralen Erkenntnissen des Sammelbandes gehört, dass Zwangsverheiratung nicht an den Islam gebunden ist, wovon wiederum in deutschen Medien nicht gebührend berichtet wurde. Dies ist ein Beispiel für die Ausblendung des Normalen.

Schließlich rückt bei der ganzen negativen medialen Berichterstattung die engagierte und bildungsorientierte, erfolgreiche Schicht von Menschen mit Migrationshintergrund in den Hintergrund. Dem deutschen Fernsehen fällt es dabei sichtlich schwer, ein differenziertes Bild der Lebensart von dieser Bevölkerungsgruppe zu zeichnen. Die Alltagsrealität oder der gesellschaftliche Erfolg kommt dabei zu kurz. Viele fragen sich, warum die durchaus vorhandenen erfolgreichen Migrantenkarrieren wie bspw. Künstler/innen, Ärzt/innen, Recht- und Staatsanwält/innen, Parlamentsabgeordnete sich nicht auch im Fernsehen wiederfinden.

Dabei geht es nicht nur um die Arbeit vor der Kamera. Die deutsche Medienlandschaft wird erst dann eine facettenreiche Berichterstattungs- und Unterhaltungspraxis realisieren können, wenn vor und hinter der Kamera Autoren, Moderatoren, Produzenten, Redakteure, Schauspieler und Techniker mit Migrationshintergrund arbeiten. Ein Blick in die deutschen Rundfunkanstalten bzw. Fernsehprogramme zeigt aber die eindeutige Unterrepräsentanz von Menschen mit Mirationshintergrund. Umfragen zufolge haben nicht mehr als 2-3 % der medienschaffenden einen Migrationshintergrund, zu wenige, gemessen am Bevölkerungsanteil von rund 15% von Menschen mit Migrationshintergrund.

Aus diesem Grund möchte die Türkische Gemeinde in Deutschland gerne die Verantwortung übernehmen und durch eine Initiative die Qualifizierung von jungen Talenten mit Migrationshintergrund unterstützen. Zu diesem Zweck wird es noch in diesem das Netzwerk türkischstämmiger Medienmacher/Innen gegründet. TGD wird im Rahmen dieser Initiative potentielle Talente mit Migrationshintergrund in ihrem Umfeld finden und sie für Medienberufe motivieren bzw. den Zugang dazu erleichtern, in dem Sie die Kontakte herstellt, durch Internetportal und verschiedene Seminare die Jugendliche  informiert.

Zur Studie:

Die von Medienanalyse-Institut Media Tenor im Januar 2008 fertig gestellte Studie beschäftigt sich mit dem Thema „Ausländer in den Medien“ und stellt die gefühlte Wahrnehmung und das mitunter daraus resultierende Unbehagen auf eine Zahlenbasis. Von 1996 bis zum Jahresende 2007 haben die Medienforscher zwölf tonangebende deutsche TV- und Printmedien vorgenommen und untersucht. Untersucht wurden die „Bild“-Zeitung, „Spiegel“, „Focus“, die Wochenzeitungen „Rheinischer Merkur“ und „Zeit“, ARD-„Tagesschau“, ARD-„Tagesthemen“, ZDF-„heute“, ZDF-„heute-journal“, RTL-„Aktuell“, Sat-1- „News“ und Pro-Sieben-„Newstime“. Unter Beobachtung standen die Politik- und Wirtschaftsteile und die Berichte, die auf Titelseiten gedruckt oder zu Titelgeschichten wurden.