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Bundesfreiwilligendienst bei der TGD – Erwartung trifft Erfahrung

Der ehemalige Bundesfreiwilligendienstler, Sorab Asar (S.A., 21 J.),  berichtet von seinem Jahr in der Bundesgeschäftsstelle der Türkischen Gemeinde in Deutschland, um zukünftige BfD’ler/innen darauf vorzubereiten und ihnen Einblicke in die Arbeitsatmosphäre ermöglichen zu können.
Das Interview wurde geführt von Jale Isikli (J.I., 18 J.), Sorabs Nachfolgerin.
Zunächst lesen Sie ihre Erwartung an den Bundesfreiwilligendienst bei der TGD.
Erwartungen
S.A.: Wie bist du auf die TGD gekommen?
J.I. : Durch den Kontakt eines Mitglieds wurde ich auf das Projekt B.u.S. – Bildung und Spaß, aufmerksam gemacht. In diesem Projekt handelt es sich um Grundschulkinder mit Migrationsgeschichte, die die 2. Klasse besuchen. Diese Kinder werden von uns Lotsen/innen schulisch unterstützt und  gefördert. Unter anderem  gestalten wir auch gemeinsam mit den Kindern die Freizeitaktivitäten.
S.A.: Was erwartest du von der Arbeit bei der TGD?
J.I.: Ich erwarte ein positives Arbeitsklima und Spaß an den bevorstehenden Projektarbeiten wie B.u.S. oder auch mygrantulations. Unter anderem erhoffe ich mir eine Teilhabe an der Politik, wie auch verschiedene Kontakte knüpfen zu können.
S.A.: Was könnten die Erwartungen der TGD an dich sein?
J.I.: Die Erwartungen der TGD– Mitglieder an mich werden wahrscheinlich Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und vor allem Verlässlichkeit sein.
S.A.: Wie stellst du dir deine Tätigkeit vor?
J.I.: Ich erwarte viel Büroarbeit. Vor allem werde ich lernen Kindern mit Migrationsgeschichte im sozialen und schulischen Umfeld zu unterstützen und zu fördern. Aktiv in den Projekten teilhaben und mitwirken zu können.
S.A.: Was erwartest du dir von der Arbeit für dein späteres Leben mitnehmen können? Studium wählen zu können.
J.I. : Was sind die Aufgabenbereiche eines BFD  in der Türkischen Gemeinde Deutschland?
S.A.: Im Fokus der Tätigkeiten in der TGD liegt die Projektarbeit. Eines der Hauptprojekte, in denen ich tätig bin/war, ist das Modellprojekt „B.u.S – Bildung und Spaß“ in dem ich drei Grundschulkinder mit Migrationsgeschichte an drei separaten Tagen in der Woche, sowohl schulisch, als auch freizeitlich, betreue/betreut habe. Ein weiteres Projekt ist der Jugendkongress im Oktober „Mygrantulations – Jugendpolitik in der Einwanderungsgesellschaft“, wo wir bundesweit etablierte Jugendverbände, Jugendmigrantenselbstorganisationen und Einzelpersonen nach Berlin ins Haus der Kulturen der Welt einladen, um einen Ort für Begegnung und Austausch zu bieten, über politische Interessen und Belange zu diskutieren und unsere Forderungen und Vorschläge an die Politik zu übermitteln. Die Projektarbeit ist auch mit jeweiliger Öffentlichkeitsarbeit verbunden, was die Verwaltung von Homepages, Web-Blogs und Facebook-Seiten beinhaltet. Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Teilnahme an diversen Fachtagungen, Veranstaltungen oder Konferenzen, wo man als Vertreter für die TGD oder für Young Voice TGD (Der Jugendverband der TGD) anwesend ist und interessante Persönlichkeiten kennenlernt oder viele Informationen zu jeweiligen Themengebieten bekommt.
J.I.: Was bedeutet die Öffentlichkeitsarbeit für Young Voice TGD?
S.A. : Die Öffentlichkeitsarbeit für Young Voice dient in erster Linie der öffentlichen Aufmerksamkeit, da viele Menschen Young Voice TGD noch nicht kennen, geschweige denn überhaupt wissen, dass Jugendmigrantenselbstorganisationen existieren. Es soll zeigen, dass auch die in Deutschland lebenden Jugendlichen mit Migrationsgeschichte ebenso engagiert sind und ihren Teil zur Gesellschaft beitragen möchten. Gerade bei Themen, die Jugendliche mit Migrationsgeschichte betreffen, ist es wichtig, der Öffentlichkeit die Meinung aus der Perspektive der „Betroffenen“, zu zeigen.
J.I.: Was ist das Ursprüngliche Konzept der Young Voice Organisation (Ziele)?
S.A.: Das Leitbild von Young Voice TGD beinhaltet:

Gleichberechtigung von allen freiheitlich, demokratisch orientierten Menschen und Lebensweisen
Verhinderung und Entgegentreten jeglicher Art von Diskriminierung
Ausleben kultureller Vielfalt und Identitäten
sowie ein ökologisch nachhaltiges Bewusstsein

Des Weiteren möchten wir die Sensibilisierung und Awareness-Bildung aller in Deutschland lebenden Menschen bezüglich vielfältiger Lebensweisen, kulturellen und religiösen Einstellungen, sexueller Orientierung und Identität/en sowie das ökologische Bewusstsein fördern. Ein Ziel wäre es sicherlich in Zukunft nicht mehr finanziell auf Spenden angewiesen zu sein, sondern eine strukturelle Förderung und Räumlichkeiten zu bekommen, um intensiver und einfacher neue Projekte ins Leben rufen zu können.
J.I.: Welches Fazit kannst du aus der Zeit, in der du hier gearbeitet hast, ziehen?
S.A.: Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, niemals missen möchte. Ich habe ein sehr vertrauliches und freundschaftliches Verhältnis zu meinem Kollegium, besonders zu denen, die für mich zuständig sind. Die pädagogische Begleitung ist jederzeit ansprechbar und steht einem zur Seite. Ich habe durch die Arbeit hier und ebenso durch die dazu gehörigen Seminare meine sozialen Kompetenzen erweitert und wurde in vieler Hinsicht politisch gebildet. Zudem habe ich interessante Persönlichkeiten aus Politik und Medien kennengelernt und habe auch speziell die Arbeit mit meinen Lotsen-Kindern im Projekt „B.u.S“ oder auch mit den Jugendlichen von Young Voice, sehr genossen.
J.I.: Ist es schwer den Job in der TGD  vormittags und als Lotse von drei Kindern nachmittags gleichgut zu meistern?
S.A.: Jeder hat gute, wie auch weniger gute Tage, aber die „Arbeit“ mit „meinen“ Kindern habe ich nicht als Arbeit, sondern immer als ein Grund zur Freude angesehen. Am Anfang wirkt alles noch etwas fremd, wenn man keine Erfahrung mit Kindern hat, aber nach einer Zeit übernimmt man quasi eine Geschwisterrolle und entwickelt eine emotionale Bindung zu den Kindern. Zwar fällt mir der Abschied nun schwerer, aber wir bleiben in Kontakt und ich bin mehr als gespannt, wie sich die Kinder in Zukunft weiterentwickeln werden.