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Stellungnahme zur aktuellen Studie über die politisch-soziale-Situation türkeistämmiger Migrant*innen

Freitag, der 8. Dezember 20172017, Presse, Pressemitteilungen, Startseite

Stellungnahme der TGD zur aktuellen Studie von Data 4U zur Politisch-Sozialen-Situation türkeistämmiger Migranten in Deutschland

Die im Auftrag des NDR-Magazins Panorama angefertigte Umfrage zur politischen und sozialen Situation von Deutsch-Türkinnen und Deutsch-Türken sorgt aufgrund der Zustimmungswerte für Erdoğans Politik und die Heimatgefühle für die Türkei für große Verwunderung in der öffentlichen Debatte. Die Türkische Gemeinde in Deutschland nimmt Stellung zu den Ergebnissen der Studie und kritisiert die einseitige und verzerrende Darstellung in der Berichterstattung.

Die Umfrage kommt zum dem Schluss, dass der Bildungsgrad die Zustimmungswerte zur Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdoğan massiv beeinflusst. Demnach seien die formal höher Gebildeten besser integriert und stünden Erdoğan kritischer gegenüber. Bei den weniger gut Ausgebildeten stiegen die Sympathie und die Zustimmung für die Politik Erdoğans sprunghaft an.

Der Vorsitzende der TGD Atila Karabörklü:

„Auf diesen Umstand weisen wir schon seit Jahren hin. Wollen wir, dass sich diese Menschen mit diesem Land identifizieren, müssen wir die strukturelle Diskriminierung im Bildungsbereich beheben. Die gerade veröffentlichte IGLU-Studie belegt, dass für Kinder mit Migrationshintergrund, insbesondere mit beiden im Ausland geborenen Elternteilen, im Vergleich zu Kindern, deren Eltern in Deutschland geboren sind, ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, den Leistungsschwachen anzugehören. Ähnliches gilt übrigens für die Kinder von Eltern mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Die Formel ist hier ganz einfach: gerechte Bildungschancen schaffen soziale Mobilität und führen zu einer höheren Identifikation mit unserem Land – nicht nur bei Migranten.“

Die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisiert zudem die mediale Berichterstattung in Bezug auf die Umfrage. Fragen in der Studie zur Türkeipolitik Deutschlands, Heimatgefühlen und der Politik Erdoğans werden zu einer Loyalitätsfrage gegenüber Deutschlands hochstilisiert.

Der Vorsitzende der TGD Gökay Sofuoğlu:

 „Diese Zuspitzung auf die Loyalitätsfrage spaltet die Gesellschaft auf die gleiche Weise, wie der türkische Staatspräsident das tut. Der Effekt ist, die Deutsch-Türken gegen Deutschland und Deutschland gegen die türkische Community aufzubringen. Es erscheint wie eine unheilige Allianz zwischen Populisten und Medien; einfache Botschaften und Spaltung machen Quote. „Bist du nun Türke oder Deutscher?“ Diese Frage zwingt Menschen zu einem Entweder Oder – die schon seit Jahren ein Sowohl Als auch leben wollen.“

Die Umfrage zeigt eindeutig, dass sich der Großteil der türkeistämmigen Menschen in diesem Land wohlfühlt und gerne hier lebt. Interessanterweise wird das von den Medien meist nur am Rande erwähnt.

 „Die widersprüchlichen Ergebnisse zeigen also, dass hier zum Teil unzulässige Schlussfolgerungen gemacht werden. Tragisch ist doch, dass Erdoğan es schafft, den Menschen das Gefühl zu geben, dass er sich um sie kümmert. Diesem Einfluss können wir nur verhindern, wenn wir eine neue Erzählung des Wir in Deutschland finden, dass allen Menschen die Möglichkeit gib, sich zugehörig zu fühlen“

Vor dem Hintergrund des Einzugs einer rechtspopulistischen Partei in den Bundestag, ist es wichtiger denn je, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Dafür ist es auch notwendig, Widersprüche auszuhalten und Konflikte in Aushandlungsprozessen zu lösen. So lässt sich Demokratiedistanz verringern: Sowohl in der deutschen Wähler*innenschaft als auch in den Migrantencommunities.

Der Vorsitzende der TGD Atila Karabörklü sagt abschließend:

„Die Einwanderungsgeschichte in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte. Auch wenn es auf beiden Seiten noch Nachholbedarf gibt, werden Deutsch-Türken in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen immer sichtbarer. Dieses Deutschland ist das beste Deutschland, was es je gab. Wir sind Teil dieser Geschichte und müssen endlich anfangen, diese positiven Geschichten zu erzählen.“

Die Pressemitteilung als PDF.