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TGD zum Staatsbesuch von Erdoğan

Mittwoch, der 26. September 20182018, Presse, Pressemitteilungen, Startseite

Staatsbesuch von Erdoğan
Ein Dialog ist der Anfang, um die Entfremdung zu stoppen.

Berlin – Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) fordert beide Länder auf, ihre bilateralen Beziehungen zu verbessern und die türkische Community in Deutschland nicht für ihre Interessen zu instrumentalisieren.

Der Vorsitzende der TGD, Gökay Sofuoğlu, hält fest:
„Wir glauben, dass eine Entspannung in den außenpolitischen Beziehungen einen positiven Effekt auf das Zusammenleben in Deutschland haben kann. Daher sind wir immer für einen konstruktiven Dialog und eine Verbesserung der Beziehungen. Es ist wichtig gegenseitige Kritik aushalten zu können. Für uns als Organisation, die sich für die Wahrung der Menschenrechte einsetzt, ist entscheidend, dass Demokratie und Menschenrechte niemals zur Verhandlungsmasse werden.“

Der Vorsitzende der TGD, Atila Karabörklü, ergänzt:
„Uns beschäftigt vor allem der Vertrauensverlust der türkeistämmigen Community in die politischen Institutionen dieses Landes – das wird sich nicht im Dialog mit Erdoğan klären lassen, sondern ist Sache der deutschen Politik und der Zivilgesellschaft. Unsere Einschätzung ist, dass neben der politischen Situation in der Türkei vor allem das zunehmend rassistische Klima, immer wieder gipfelnd in rassistischer Gewalt, zu einer Entfremdung zwischen türkischer Community und der sog. Mehrheitsgesellschaft geführt hat. Viele Menschen sehen sich mit struktureller Diskriminierung konfrontiert und haben wieder Angst in bestimmte Regionen zu fahren. Die deutsche Politik sollte sich endlich den Sorgen der türkeistämmigen Menschen, die hier leben, zuwenden.“

Sofuoğlu erklärt abschließend:
„Wir als TGD wollen, dass sich das Zusammenleben in Deutschland wieder verbessert. Es kann nicht sein, dass große Teile der türkischen Community den Eindruck  erhalten,  der einzige Politiker, der Rassismus in Deutschland ohne Relativierungen thematisiert, ist der türkische Staatspräsident. Wir müssen den Menschen alternative Identifikationsmöglichkeiten anbieten. Statt diese Herausforderungen anzunehmen, verlieren wir uns in Bankrotterklärungen über Integration. Das jüngste Jahresgutachten  des Sachverständigenrates legt übrigens nahe, dass es gar keine „Integrationskrise“ in der Bevölkerung gibt! Wir warten darauf, dass sich endlich eine politische Kraft in Deutschland positiv den Herausforderungen der Migrationsgesellschaft zuwendet. Wie ausländische Staatschefs die Situation bewerten, sollte höchstens eine Randnotiz sein. Wir  brauchen endlich eine Erzählung von Deutschland, die allen eine Chance gibt, wirklich zugehörig zu sein. Erst dann verlieren die ständigen Versuche, von Innen wie von außen, unsere Gesellschaft zu spalten, dauerhaft ihre Wirkung.“

Die Pressemitteilung als PDF.