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FÖTED: Erklärung anlässlich „Internationaler Tag der Muttersprache“

Freitag, der 21. Februar 2020aus den Mitgliedsorganisationen

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der UNESCO im November 1999 ausgerufener Gedenktag zur „Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit“. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen.
Die Muttersprache spiele eine wichtige Rolle für den Integrationsprozess in allen Aspekten des öffentlichen Lebens, besonders aber in der Bildung, heißt es in dem Beschluss. Die Förderung der sprachlichen Vielfalt und kulturellen Identität bedeuten einen bewussten Umgang mit der Muttersprache sowie das Erlernen und die Förderung der Mehrsprachigkeit. Das Erlernen und das Anwenden der Muttersprache gehören zu den kulturellen Menschenrechten, wie im Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt beschrieben wird.

Der Generaldirektor der UNESCO Koichiro Matsuura sagte am 21.02.1999 anlässlich des Tages der Muttersprache in Paris: „Die Sprache macht die Identität einer Person aus. Wenn sie stirbt, verschwindet eine Sichtweise, die Welt zu betrachten.“ Die Verbindung zwischen mehrsprachiger Erziehung und Bildung für alle bilden ferner eine tragende Säule jeder nachhaltigen Entwicklungsstrategie, so Matsuura.

In einer Erklärung zum Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar 2009 betonte die Kinderkommission des Deutschen Bundestages, dass der Erwerb der deutschen Sprache bei Kindern mit Migrationshintergrund am besten gelingt, wenn auch die Muttersprache gefördert wird. Auch erhöhe eine wertschätzende Haltung gegenüber sprachlicher und kultureller Vielfalt innerhalb einer Gesellschaft, die Motivation die Landessprache deutsch zu erlernen. Die Vorsitzende der Kinderkommission stellte dazu fest, dass die sprachliche Vielfalt Reichtum für eine Gesellschaft bedeute. „Wir müssen die Kommunikationsfähigkeit aller Kinder daher systematisch fördern“, so die Vorsitzende. Defizite in der sprachlichen Entwicklung gebe es zudem nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund, sondern auch bei Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien. Daher müsse von frühester Kindheit an die Sprachkompetenz benachteiligter Kinder gefördert werden.

Die Heinrich Böll Stiftung stellt hierzu zudem fest: „muttersprachlicher Unterricht in Deutschland ist eher die Ausnahme“. Die auch wissenschaftlich mehrfach begründete Einsicht, dass das Erlernen der deutschen Sprache Kindern mit Migrationshintergrund leichter fällt, wenn sie auch in der Muttersprache gefördert werden, werde von der Bildungspolitik nicht berücksichtigt. „Und obwohl vielfach belegt ist, dass die lebensweltliche Zweisprachigkeit eine besondere Kompetenz von und Chance für Migrantenkinder ist, die gefördert werden müsste, wird immer noch allein die Förderung der deutschen Sprache und anderer als „wertvoll“ anerkannter Fremdsprachen als vorrangig erachtet. Dabei wird jedoch vernachlässigt, dass gute deutsche Sprachkenntnisse zwar eine notwendige und förderliche, aber keine hinreichende Bedingung für die Eröffnung gleicher Bildungschancen für Migrantenkinder sind, wie die Migrations- und Bildungsforschung bereits seit vielen Jahren erforscht und nachgewiesen hat.
Interkulturelle Erziehungs- und Bildungskonzepte, die die Ressource Mehrsprachigkeit als Potential erkennen und sprachliche und kulturelle Vielfalt als Werte fördern, sollten im Einwanderungsland Deutschland nicht weiter auf ihre Umsetzung warten. Es ist an der Zeit, dass die Bildungspolitik die hierfür dringend notwendigen Weichen stellt und die erforderlichen und Ressourcen freigibt.

Die Erklärung als PDF.