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Zum 40. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei

Mittwoch, der 21. März 20012001, Pressemitteilungen, Themen, Türkei und EU

Heute vor genau 40 Jahren wurde zur Anwerbung türkischer Arbeiter das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei in Bad Godesberg unterzeichnet. Weder die Unterzeichnerstaaten noch die Angeworbenen ahnten damals, dass sich ihr als vorübergehend geplanter Aufenthalt in Deutschland in eine Dauerniederlassung wandeln würde. Doch weder der Bedarf der deutschen Wirtschaft noch der der sogenannten Gastarbeiter war vorübergehend.

Die Türken stellen heute mit 28 Prozent, knapp zweieinhalb Millionen (die bereits 400.000 Eingebürgerten mitgerechnet!), die größte Gruppe der Einwandererbevölkerung. Wenn auch mit dem Begriff »Ausländerproblem« sehr oft die Türken gemeint sind, so fällt doch die Bilanz für die Integration und das Zusammenleben der deutschen und der türkischen Bevölkerung insgesamt durchaus positiv aus.

Die Türken haben sich in das Arbeitsleben voll integriert. Überall, wo sie tätig sind, genießen sie Dank ihres Fleißes und Könnens Anerkennung. Die rund sechzigtausend (mit steigender Tendenz!) Selbständigen schaffen für Hunderttausende Arbeitsplätze und tragen damit zum wirtschaftlichen Wohlstand bei. Im Bildungsbereich sind türkische Schüler und Studierende dabei, den Abstand zu ihren deutschen Altersgenossen zu verringern. Tausende türkische Akademiker sind in verschiedenen Berufen erfolgreich tätig. Zunehmend mehr Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Sportler türkischer Herkunft erbringen beachtliche Leistungen.

Deutschland ist für die meisten Türken, auch von den verfassungsmäßigen Grundwerten her, ihre neue Heimat geworden. Sie sind hier familiär verwurzelt. Der Trend, eigene Wohnungen in Deutschland zu kaufen und auch sonst in diesem Land zu investieren, ist längst unübersehbar.

Doch gibt es beim Integrationsprozess durchaus noch großen Nachholbedarf. Nicht nur bei den Türken, auch bei Politik und Gesellschaft. Wären die Vorschläge des ersten Ausländerbeauftragten der Bundesregierung, Ministerpräsident a.D. Heinz Kühn, aus seinem Memorandum zur Integrationspolitik vor 22 Jahren umgesetzt  worden, wären wir heute viel weiter. Das Hauptmanko der deutschen Integrationspolitik ist, der faktischen Einwanderung bis heute nicht Rechnung getragen und den Weg für den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft nicht geebnet zu haben. Dies erschwert nachhaltig die volle Identifizierung der Einwanderer mit der deutschen Gesellschaft.

Alles in allem: die 40-jährige Migration aus der Türkei und den anderen Ländern war und  ist nachprüfbar im Interesse Deutschlands, der Türkei und der Türken. Die türkische Migration hat Impulse auch für Veränderungen in der Türkei gegeben. Die türkische und die Einwandererbevölkerung insgesamt hat aber auch Deutschland positiv beeinflusst. Deutschland ist in jeder Hinsicht reicher, bunter, weltoffener, erfahrener und interessanter geworden.

Die unübersehbar guten Seiten des Zusammenlebens mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sollten in Zukunft weit mehr im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, als die überwindbaren Schwierigkeiten und Probleme.

Prof. Dr. Hakkı Keskin