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Amir Alexander Fahim
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Hintergrund

Leitgedanke

Das Projekt „Muslimische Vielfalt im Gespräch“ zielt darauf ab, die homogenisierenden und rassistischen gesellschaftlich fest verankerten Bilder von „dem“ Islam bzw. „den“ Muslimen durch Begegnung aufzulösen, denn wir glauben an die Macht der Begegnung. Es wird auf zwei Ebenen wirken:

  1. Im Dialog von muslimisch gelesenen Menschen unter- und miteinander soll ein Selbstbewusstsein für die eigene Verschiedenheit entstehen und gemeinsame Strategien diese hörbar und sichtbar zu machen.
  2. Im Dialog mit der sogenannten Mehrheitsgesellschaft soll der systematische Austausch mit wirkungsmächtigen Akteuren aus der Mehrheitsgesellschaft, vor allem Parlamentarier*innen und Medienvertreter*innen, organisiert werden, um Botschaften zu hinterlassen und stereotype rassistische Bilder zu brechen.

Das Kernstück bildet die partizipative Entwicklung eines völlig neuen Beteiligungsformats für junge Menschen, die muslimisch gelesen werden. Konkret handelt es sich um Menschen, die sich selbst als Muslim*innen verstehen sowie um jene, die muslimisch markiert werden; das bedeutet alle jungen Menschen, die antimuslimischen Rassismus ausgesetzt sind. Sie erhalten die Möglichkeit, einen solidarischen und produktiven Umgang mit Fremdzuschreibungen zu finden und ihre Botschaften und Strategien selbst zu definieren. Auf der entwickelten Kommunikationsstrategie wird dann ein Austausch mit wirkmächtigen Akteuren aus Politik und Medien stattfinden. Das Projekt möchte die Selbstwirksamkeitserfahrungen und die Verantwortungsübernahme bei neuen Akteuren begünstigen. Dabei geht es um Kompetenzen wie Konfliktfähigkeit und Ambiguitätstoleranz, die sich auch an die Mehrheitsgesellschaft richten. Denn nur im Schulterschluss können stereotype rassistische Bilder aufgelöst und der gesellschaftliche Zusammenhalt gefestigt werden.

Hintergrund

In den öffentlichen Islamdiskursen wird „der“ Islam bzw. werden „die“ Muslime oft als statischer Block gesehen, der unvereinbar scheint mit dem Zusammenleben in einer Demokratie. Obwohl diese Bilder an den Lebensrealitäten wenig mit den muslimisch gelesenen Menschen zu tun hat, halten sie sich hartnäckig und werden von Medienmacher*innen und Politiker*innen immer noch reproduziert. Diese Stereotypen Bilder tragen in folgender Weise zur Spaltung unserer Gesellschaft bei und sollten überwunden werden.

  1. Die angebliche Unvereinbarkeit führt zu einem Identifikationsdilemma: Viele junge muslimisch Gelesene nehmen die spaltenden Identitätszuschreibungen an und wenden sich ab von der Gesellschaft, statt diese proaktiv mit ihren Perspektiven mitzugestalten in Politik und Zivilgesellschaft.
  2. Die starke Polarisierung der Debatten führt zur Fragmentierung und Entsolidarisierung der Communities, sodass eine Spaltung unter anderem zwischen Menschen, die sich muslimisch verstehen, und denen, die sich nicht muslimisch verstehen, entstehen kann.
  3. Wenn (muslimische) Diversität dargestellt wird, dann in der Regel mit politisierten Labels wie „liberal, konservativ, säkular“ – die den heterogenen Lebensentwürfen der Menschen nicht gerecht werden und weitere Kategorisierungen konstruieren.
  4. Die dominanten Bilder führen zu Stellvertreter*innendebatten und verunmöglichen einen konstruktiven Umgang mit bestehenden Herausforderungen zwischen muslimisch Gelesenen und der sog. Mehrheitsgesellschaft.

Das probate Mittel gegen stereotype rassistische Bilder ist, die Diversität des muslimisch gelesenen Lebens durch Begegnungsformate mit Medien und Politik sichtbar zu machen. Leider wird die große Bandbreite an diversen Perspektiven in der Öffentlichkeit kaum gesehen. Dies gilt v.a. für junge Akteure oder für die Vielzahl an neuen Initiativen der letzten Jahre.
Wir sind überzeugt: Die Gestaltung einer zukunftsfähigen Einwanderungsgesellschaft setzt Aushandlungsprozesse, Gespräche und Diskurse von Gruppen und Menschen voraus, die aktuell viel zu wenig miteinander sprechen.

Umsetzung

Das Projekt verfolgt einen konsequenten Bottom-Up-Ansatz. Das leitende Prinzip ist Partizipation, das sich auf inhaltlicher und methodischer Ebene konsequent durchzieht. Konkret bedeutet dies, dass nur Formate gewählt werden, die hohe Beteiligungsmöglichkeiten bieten.

Als erstes ist ein Open Space für 3 Tage geplant der im Oktober 2020 stattfinden wird. Dabei werden niedrigschwellige digitale Beteiligungsmöglichkeiten gewährleistet.

Die TGD versteht sich im Rahmen des Projektes als Ermöglicherin und Moderatorin und hat sich diese Ziele gesetzt:

  • Diversitätsorientierung, beteiligungsorientierte Moderation
  • Rassismus- und sexismuskritische Kommunikation
  • Safe Space, intersektionale Sicht mit pädagogischer Begleitung
  • Empowerment und Professionalisierung
  • Einbeziehung externer Fachexpertise bei der Erarbeitung von Botschaften

Diversität versteht sich hier jenseits von Herkunft und Religion. Unser Anspruch ist, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen die antimuslimische Ausschlüsse erleben. Das können sein: Rom*nja und Sinte*zza, Schwarze Menschen, asiatisch Gelesene, People of Color , Menschen mit kurdischen, türkischen sowie mit arabischen Backrounds, LGBTIQ-Personen sind genauso willkommen wie Menschen die heteronormativen Lebensweisen nachgehen.  Ganz besonders sind auch Frauen* und Mädchen* eingeladen.

Die Teilnehmenden an unserem Open Space, werden selbstbestimmend den Ablauf des Projektes kreieren.

Hier möchten wir nun unsere Arbeitsetappen skizzierend darstellen:

Projektförderer