Bündnis:

Flüchtig

 Wer?

 Wo, seit wann?

Berlin, seit April 2017

 



 

 

 Worum geht es?

Was bedeutet Flucht? Wie ist dieser Begriff zu verstehen, wenn man ihn von seinem Adjektiv “flüchtig” her begreift? Was umfasst der Begriff “flüchtig“ und wie kann er gedeutet und interpretiert werden? Und wie können diese Fragen künstlerisch untersucht und beantwortet werden? Um dies und noch viel mehr geht es in unserem insgesamt 10-wöchigen, jeweils samstags stattfinden Workshop mit baldiger, 3-tägiger Ausstellung unter dem Motto “Flüchtig”. Den Teilnehmer*innen – 14 jungen Künstler*innen im Alter von 18 bis 26 mit Fluchthintergrund – ist dabei freigestellt, mit welchen künstlerischen Mitteln sie ihre individuellen Gedanken, Gefühle und Erfahrungen er- und verarbeiten und letztlich in einer Kunstausstellung hier in Berlin präsentieren. Ob Videoinstallation, Gemälde, Skulptur oder Fotografie – alles ist möglich, denn der künstlerische Ausdruck ist letztlich genau so individuell, wie die jeweilige Lebens- und Erfahrungsgeschichte.

Mittlerweile liegen nun schon 5 Workshoptage hinter uns und alle Teilnehmer*innen haben ihr Thema und Projekt nicht nur im Kopf, sondern arbeiten auch fleißig daran: von Malerei bis Tanz, von Kurzfilm bis Fotomontage – alles ist dabei. Auch die Bündnispartner arbeiten erfolgreich zusammen und wir sind mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden.

An den Workshopsamstagen wird außerdem heiß diskutiert: Was ist Kunst? Was ist ein*e Künstler*in? Hat Beuys Recht, wenn er sagt, dass alle Menschen potentielle Künstler*innen sind und warum lässt uns Bela Tarr in seinem Film „Das Turiner Pferd“ über Minuten im Pferdestall allein? Muss Kunst erbarmungslos sein oder sind wir durch die Medien schon so desensibilisiert, dass wir neue Wege finden müssen, um Schmerz, Gewalt und Leid, aber auch Freude und Liebe künstlerisch auszudrücken? Wie komponiere ich ein Bild? Welcher „frame“ sagt was über das Objekt oder Subjekt im Bild/Film aus?

Im Sinne dieser Fragen, die wir in unserem Workshop diskutieren, besteht der zweite Teil der Workshops dann darin, die einzelnen Kunstwerke der Teilnehmenden zu beleuchten, sie zu hinterfragen, aber auch zu loben. Auf diese Weise verbinden wir im Workshop Kunstwissenschaft und Philosophie im Allgemeinen mit spezifischer Hilfestellung für die einzelnen Teilnehmer*innen und ihre Projekte. Und natürlich wird auch gut gespeist, Tee und Kaffee getrunken und die eine oder andere Zigarettenpause in der Sonne gemacht.

Obwohl die einzelnen Werke noch nicht fertig gestellt sind, ist schon ein guter Eindruck dessen entstanden, was kreiert wird:

Eine Plastik eines syrischen Hauses, die in einer Videoinstallation verwendet wird; einige Interviews über die Flucht aus Syrien nach Deutschland; ein TN macht einen Dokumentarfilm über das Projekt selbst; ein TN verwendet die Zeichnung eines syrischen Kindes und malt diese auf großer Leinwand, um sie dann in einer Videoinstallation zu verwenden; eine TN arbeitet mit Fotos, die letztlich zeigen sollen, wie viele der Menschen im Originalbild nicht mehr da sind, da sie entweder fliehen mussten oder im Krieg gestorben sind; ein TN setzt sich mit dem Thema Folter in syrischen Gefängnissen auseinander; ein TN mit dem Thema „Vermissen“.

Veröffentlichungen

Das Bündnis hat einen eigenen Blog.