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Nach dem Sprachverbot nun auch noch Hassmails.

Nach dem Sprachverbot nun auch noch Hassmails.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland mahnt eine demokratische Debattenkultur an.
Anlässlich des Auftritts des Vorsitzenden der Föderation der türkischen Elternvereine in Deutschland (FÖTED) und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Dr. Ali Sak, und den darauffolgenden Zuschauerreaktionen im Netz, fürchtet die TGD um die Debattenkultur in Deutschland.
Die Demokratie in der wir leben und für die wir uns tagtäglich in unserer Arbeit einsetzen, sollte kontroverse Positionen aushalten, ohne dass die Vertreter von Positionen deshalb beschimpft und diskreditiert werden, ja ihnen mit Gewalt gedroht wird; wie es Herr Dr. Sak unlängst nach seinem Auftritt bei Stern TV erleben musste. Das Thema war „Sprachverbot auf Schulhöfen“.
Die Rechtslage in der Sache ist klar und in Artikel 3, Abs. 3 des Grundgesetzes eindeutig definiert. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“.

Die Menschenrechte stehen grundsätzlich für den Ausdruck kultureller Pluralität, d.h. in dieser Frage kann es nicht um ein „entweder/oder“ der verschiedenen Sprachen gehen, sondern um ein entschiedenes „sowohl als auch“. Jede individuelle Diskriminierung aus Gründen der Sprache trifft nicht nur das Individuum, sondern die ganze Gemeinschaft, der es angehört.
Die Sprachenfreiheit soll die Würde, die Identität, die geistige Existenz einer Person und mit ihr den Bestand einer ganzen Sprachgemeinschaft schützen.
Die Föderation der Türkischen Elternvereine in Deutschland, als Dachverband vieler lokaler Elternvereine und Landesverbände, engagiert sich seit Jahrzehnten für die Integration von Zugewanderten und einem demokratischen Zusammenleben sowie für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Der alltägliche Umgang mit Diskriminierungen gegenüber Eltern und Kindern mit Migrationshintergrund, insbesondere auch die sprachlichen und kulturellen Vorurteile und der oftmals damit verbundene vernichtende Einfluss auf deren Bildungskarrieren, der in zahlreichen Studien (siehe unten) nachgewiesen wurde, gehört zum alltäglichen Wirken der FÖTED.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen, denen unser Bildungssystem nicht wirksam entgegentritt, vertritt die FÖTED eine klare Position: „Keine Diskriminierungen oder Sprachverbote, insbesondere auch in Schulen“.
Das Ziel ist eine konfliktarme, diskriminierungsfreie Schulumgebung ebenso wie ein möglichst optimaler Spracherwerb jeweils beider Sprachen. Den besten Weg zu diesem Ziel in Debatten zu erarbeiten, das ist die Stärke unserer Demokratie.

Persönliche Beleidigungen, ja sogar Drohungen schmerzlicher Art, wie sie Herr Dr. Sak im Internet und sogar auf seinem Handy erleben musste, sind ein unerträgliches Armutszeugnis zu dem wir öffentlich Stellung beziehen müssen.
Wir verurteilen die Drohungen und Schmähungen gegen Dr. Ali Sak und anderer Mitglieder der Türkischen Gemeinde in Deutschland in aller Deutlichkeit. Die Türkische Gemeinde in Deutschland ruft alle Demokraten dazu auf, sich öffentlich und mit Nachdruck gegen jede Art von Drohungen zu stellen.
Zu Diskriminierung im Bildungssystem:

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Expertise_Diskriminierung_im_vorschulischen_und_schulischen_Bereich.pdf?__blob=publicationFile

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/BT_Bericht/Gemeinsamer_Bericht_zweiter_2013.pdf?__blob=publicationFile

https://www.uni-heidelberg.de/md/journal/2014/01/gemeinsamer_bericht_2013_diskriminierung.pdf

http://www.migration-info.de/artikel/2013-09-14/deutschland-studie-belegt-zahlreiche-formen-diskriminierung

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Projekte/Bildung/Diskriminierung_in_der_Schule/diskriminierung_in_der_schule_node.html

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/jeder-vierte-migrant-fuehlt-sich-in-schule-und-uni-diskriminiert-a-916280.html

http://www.bpb.de/apuz/221585/schule-ohne-diskriminierung?p=all

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