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posted by: erkayhan | 23.07.2006, 15:48 Uhr | Read 4560 times
Karlsruhe, 24.07.2006

Die türkischen Medien in Deutschland wirken sich eher auf den Integrationsprozess aus!

Den deutschen Medien gegenüber Aktivitäten türkischer Verbände gleichgültig, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD, http://www.tgd.de), Şeref Erkayhan. Weder nehmen die Medien – trotz Einladungen –an den verschiedenen Veranstaltungen von Migrantenorganisationen teil noch wird genügend darüber berichtet.


Integrationsgipfel á la Turca in Karsruhe am 15.7.2006
Erkayhan weiter: „Die deutschen Medien sind sich ihrer Verantwortung in der Integrationsthematik nicht bewusst. Dies spiegelt sich in der Berichterstattung über Integration wider. Deutsche Medien halten sich von Veranstaltungen türkischer Verbände fern und zeigen sich auffällig desinteressiert, was wiederum selber auf die fehlende Integration deutscher Medien hinweist.“

Erkayhan wies auf das stärkere Interesse türkischer Medien an der Integration der Deutschland-Türken hin, fügte zu, dass sie die selbe Sensibilität auch von den deutschen Medien erwarten, die Berichte über die Veranstaltungen der Migrationsverbände verschwindend gering sind: "Interessiert es deutsche Medien gar nicht, worüber die Migranten bzw. Deutschland-Türken diskutieren?"

Hintergrund für die Kritik ist die fehlende Anwesenheit deutscher Medienverteter an der TGD-Veranstaltung zum Thema "Integration durch Partizipation" vom 15.7.2006 in Karlsruhe mit über 20 Experten und 150 Teilnehmer, wo über „Junge Politik á la Turca", "Medien und Integration", "Islamischer Religionsunterricht" und "Integrationspolitische Strategien" diskuttiert wurde.

Erkayhan kündigte unterdessen eine Podiumsdiskussion gemeinsam mit BIF (http://www.bundesinitiative.org) über die Rolle der Medien im Integrationsprozess im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM, http://www.zkm.de) in Karlsruhe am 5. Oktober 2006, die über den ersten deutschen Sender mit türkischsprachigem Vollprogramm in Deutschland „TGRT EU“ (http://www.tgrt.de) live gesendet wird. Erkayhan weiter:“ Wir werden das Thema an der Tagesordnung halten. Mal sehen, ob wir diesmal die deutsche Medienvertreter dazu gewinnen können“.

***

Zusammenfassung der Veranstaltung in Karlsruhe

Integrationsgipfel á la Turca in Karsruhe am 15.7.2006

Kurz nach dem "Integrationsgipfel" wurde durch die TGD eine Reihe von Podiums-diskussionen zum Thema "Integration durch Partizipation" am 15.7.2006 in Karlsruhe veranstaltet, zu dem führende Vertreter aus Politik und Administration, Repräsentan-ten zahlreicher türkischer Spitzen- und Dachverbände, Medien und Wissenschaft als Redner und Zuschauer erschienen waren. Eingeleitet wurde die eintägige Marathon-veranstaltung mit den Diskussionen "Junge Politik á la Turca", "Medien und Integrati-on (Partizipation)", "Islamischer Religionsunterricht" und "Integrationspolitische Stra-tegien" vom Hauptkoordinator und dem Stellvertretenden Bundesvorsitzenden der TGD, Seref Erkayhan. Der Generalkonsul der Republik Türkei in Karlsruhe Erdoğan Kök, der TGD-Bundesvorsitzende Kenan Kolat und der Karlsruher OB Harald De-necken richteten anschließend ihre Grußworte an das Publikum.

Unter der Moderation des TGD-Bundesvorstandsmitglieds Rana Büyükyilmaz wurde die erste Diskussion über das politische Interesse und die politische Partizipation jungen TürkInnen mit Roman Götzmann (Landesvorsitzender Jusos BW), Andreas Deuschle (Mitglied im Lan-desvorstand der Jungen Union), Banu Avuk (Vorsitzende, Türkischer Akademiker Bund Bonn - TABB und Vorstandsmitglied von TD-Plattform) und Sebastian Wolf (Landesvorsitzender der Grünen Jugend) sowie Markolf Naujoks als Vertreter für Ikbal Kılıç (aus dem türkisch-deutschen Zeitschriftenprojekt Mikses) geführt. Einerseits wurde mehr Engagement von türkischen Migranten abverlangt, andererseits die mangelnde Öffnung bürgerlicher Parteien für türkische VertreterInnen moniert. Die TABB-Vereinsvorsitzende und Vorstandsmitglied der Türkisch-Deutschen Plattform Banu Avuk stellte darüber hinaus die für türkischstämmige Akademiker und Studierende Jobs, Praktika und Fortbildungsmöglichkeiten sowie Summer Schools anbietende TD-Plattform vor. Markolf Naukoks stellte das türkisch-deutsche Zeitschriftenprojekt als mediale Begegnungsstätte für studierende Migranten und Angehörigen der Aufnahmegesellschaft.

Unter dem Titel "Medien und Integration" wurde die effiziente Mediennutzung zur erfolgreichen Migrantenintegration unter der Diskussionsleitung von Seref Erkayhan diskutiert, in denen mehr positive Migrantenbilder im Fernsehen gefordert wurde. Teilnehmer waren Geschäftsführer TGRT Europe Kenan Kubilay, der Initiator der BIF und Leiter des ZKM Michael Mangold, Kemal Çalık (Generalsekretär des Bundes für türkische Journalist/Innen in Europa – ATGB) und Seran Sargur (General Coordinator Kanal Avrupa), die zuvor ihre Medieneinrichtungen vorgestellt hatten. Einhellig wurde die mediale Rolle bei der Imageverbesserung der TürkInnen hervorgehoben und von einheimischen Medien eine Korrektur des hierzulande vorherrschenden Zerrbildes gefordert. Die kritisierte vorherrschende Rezeption der TürkInnen in den Medien war neben der Diskussion über die Existenz eines medialen Ghettos durch ethnisch-einseitigen Medienkonsum das Hauptthema.

Die vom TGD-Bundesvorstandsmitglied Burak Gümüş moderierte Diskussion hatte Sinn und Zweck des umstrittenen Islam-Unterrichts an deutschen Schulen zum Thema. Prof. Dr. Karl Schneider, Professor für Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und Moderator der Steuerungsgruppe für die Erstellung des Lehrplans, , Renate Rastätter (MdL, schulpolitische Sprecherin der B90/die Grünen im BW-Landtag), Prof. Dr. Havva Engin (Institut für deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik an der PH Karlsruhe) und Hans Joachim Pröchtel aus dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg und Kemal Ülker (Vorstandsmitglied im Dachverband der Türkischen Elternbeiräte in Baden, BTOABF) sowie Güven Toymaz (Vorsitzender des Dachverbands der Türkischen Elternbeiräte in Baden , WTOABF) erörterten den vor allem in der türkischen Migrantengesellschaft umstrittenen Projekts in Baden-Württemberg. Während Pröchtel in das Thema mit dem vom GG abgeleiteten Recht der Migranten auf Religionsunterricht und der Integrationsfunktion eines solchen Vorhabens ein-führte und Prof. Dr. Schneider die dies bezogenen Vorteile eines deutschsprachigen Isam-Unterrichts an deutschen Schulen aufzählte, kritisierten die Vertreter der türki-schen Elternverbände die Missachtung des türkischen Muttersprachlichen Unter-richts, in der ohnehin Religionskunde angeboten wird, und die Ignoranz des größten muslimischen Dachverbands DITIB als Ansprechpartner für den islamischen Religi-onsunterricht, wiesen auf den Integrationsvorsprung des vom kemalistischen Laizis-mus und von anatolischen Besonderheiten geprägten türkischen Islams vor dem a-rabischen und persischem Muslimentum in und warnten daher vor den islamistischen und assimilativen sowie für türkische Muslime separatistischen Folgen eines deutschsprachigen von islamistischen Vertretern außerhalb der DITIB entworfenen und konfessionell nach Alewiten und Sunniten getrennt angebotenen islamischen Religionsunterrichts. Vor allem kritische Nachfragen des türkischen Publikums in Be-zug nach der Mitglieder-Zusammensetzung der von Prof. Dr. Schneider begleiteten Steuerungsgruppe und geäußerte Sorgen vor dem Projet "Deutscher Islam" zeigten den regen Diskussionsbedarf und den Dissenz zwischen deutschen und türkischen Diskussionsteilnehmern hin. Prof. Dr. Havva Engin kritisierte den verfrühten Zeitpunkt des nicht ausgiebig durchdachten sowie übereilthastig eingeführten Islam-Projekts.

Die Diskussion über "Integrationspolitische Strategien für die kommenden 5 Jahre in Deutschland" mit dem Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland Kenan Kolat, dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg-TGBW, Gökay Sofuoglu, Christian Storr (Leiter der Stabsstelle des Integrationsbeauftragten der Landesregierung im Justizministerium), und Werner Wölfle (MdL, Integrationspolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion) sowie mit dem Abgesandten des größten Muslim-Spitzenverbands DITIB (Türkisch-Islamische Union der Religionsanstalt e.V.) und dem Verfechter des interreligiösern Dialogs, Bekir Alboga setze die vorige unterbrochene Debatte um die bisherige Missachtung der DITIB und dem von türkischer Seite als "Projekt deutscher Islam" heftig kritisier-ten Vorhabens der Einführung eines deutschsprachigen Islamunterrichts fort. Wäh-rend die unterlassene namentliche Nennung der von islamistischen Verbänden do-minerten Mitgliederschaft der Steuerungsgruppe und deren Missachtung des Reprä-sentationsanspruchg der DITIB unter türkischen Zuschauern und Vereinsverttern Anlass für harsche Kritik war, versuchte Bekir Alboga die DITIB dem Diskussionspartner aus dem Justizministerium vorzustellen und bekräftige den Repräsentationsanspruch der DITIB mit den Hinwiesen auf die Mitgliederzahl, auf die Größe des Spitzenver-bands, auf die wissenschaftliche Schulung und Liberalität seines Spitzenverbands. Anschließend wurde das Resümee des Integrationgipfels von Kenan Kolat und Bekir Alboga mit Frau Bundeskanzlerin Merkel, Frau Integrationsbeauftragten Maria Böhmer und den "Landesvätern" gezogen und die künftige Verschlimmbesserung aus der Sicht der Migranten erörtert. Mit dem Ruf nach verstärkter Partizipation und En-gagement türkischer Migranten wurde die Marathonsitzung schließlich beendet.
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